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Eine Anekdotensammlung als Ratgeber für Promotionswillige?
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Promotion (Gebundene Ausgabe) Laut Klappentext soll dieses Buch ein Ratgeber für Menschen sein, die promovieren wollen. Ich glaube dagegen, dass gerade diese Personengruppe wenig Gewinn aus ihm ziehen kann. Das liegt zum einen daran, dass das Buch der Bezeichnung 'Ratgeber' nicht gerecht wird, weil der Autor gar keine Ratschläge erteilt, sondern eher anekdotenhaft eine Reihe von Aspekten abhandelt, die bei Promotionen eine Rolle spielen, z.B. das Thema der Dissertation, die Doktorandenbetreuung, die Dauer des Schreibens, die mündliche Prüfung und die Benotung. Die einzelnen Kapitel sind dabei so aufgebaut, dass sie üblicherweise mit einem Rückblick auf die Promotionsverfahren bekannter Personen beginnen und dann Situationen aus dem Erfahrungsschatz des Autors beschrieben werden, der selbst viele Jahre Hochschullehrer war. Das liest sich wegen seiner flüssigen Schreibe unterhaltsam, und so mag es für den einen oder anderen durchaus amüsant und beruhigend sein zu erfahren, dass Goethe mit seiner Dissertation durchgefallen ist und erst über 50 Jahre nach seinem Fehlversuch zum Ehrendoktor ernannt wurde. Aus den eigenen Schwierigkeiten hilft einem dieses Wissen allerdings nicht heraus.
Zum anderen fällt beim Lesen der zitierten Beispiele auf, dass ein nicht unerheblicher Teil der angesprochenen Probleme durch die Betreuer der Doktoranden verursacht wurde. Das dürfte auf manchen Promotionswilligen sogar abschreckend wirken. Die Palette reicht dabei von Überhäufung mit Arbeit über unnötige Verzögerungen bei der Begutachtung der Dissertation bis zum verspäteten Erscheinen bei der mündlichen Prüfung. Gerade an den letztgenannten Beispielen merkt man aber auch, dass die Situationen, die der mittlerweile emeritierte Professor beschreibt, generell eher der Vergangenheit als der Gegenwart zuzuordnen sind, denn heute gibt es in den meisten Fakultäten - nicht zuletzt aufgrund solcher Auswüchse - genaue Regeln, in welchem Zeitrahmen Begutachtungen zu erfolgen haben, wann Prüfungen durchzuführen sind usw. Die Zeiten, in denen sich mancher Hochschullehrer als Zentralgestirn innerhalb seines eigenen Mikrokosmos sah, sind somit weitgehend vorbei. Und das ist auch gut so, zumindest für die Doktoranden.
Am ehesten eignet sich das Büchlein somit als kleines Dankeschön an den Doktorvater, der dadurch vielleicht an die 'guten alten Zeiten' erinnert wird, als er selbst noch Doktorand war. Seine eigene Promotionsurkunde sollte man dann allerdings schon in der Tasche haben.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 19. November 2007 |